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Was ist koreanische Papierkunst?

Koreanische Papierkunst heißt auf Koreanisch "han-ji gong-ye" (Korea-Papier Handwerkskunst) oder etwas allgemeiner "jongi gongye" (Papier Handwerkskunst) und ist ein Kunsthandwerk. Einerseits ist es die Kunst der Herstellung aus Papier, denn all die dreidimensionalen Gegenstände werden zweidimensional aufgezeichnet, ausgeschnitten und zusammengesetzt. Ich werde oft gefragt, ob die Papierkunstwerke vollständig aus Papier bestehen. Das tun sie zum größten Teil. Die Grundformen der Schachteln, Untersetzer, Dosen sind aus festem Karton. Für Lampen und auch Möbel werden auch andere Materialien wie Metall, Plaste, Holz, Glas und Steine verwendet.

Andererseits ist koreanische Papierkunst die Kunst des Beklebens und Gestaltens mit Papier. Das Besondere daran ist das Korea-Papier selbst: man bekommt es in vielen tollen Farben, und es besitzt wunderbare Eigenschaften. Wenn es nass ist, ist es wie Stoff und sehr flexibel, im wieder trockenen Zustand ist es dann sehr stabil. Man kann also Dinge damit "anziehen" und verstärken, und man kann nicht nur eckige, sondern auch runde Gegenstände damit verschönern. Genau das macht man mit den Formen der Papierkunst und hat dabei viel Gestaltungsspielraum: Ton in Ton oder Kontrastfarben, der farbliche Gegensatz zwischen Außen- und Innenseite, das Hervorheben von Sockeln und Kanten und am Ende die aufwändige Verzierung mit verschiedenen farbigen Mustern. Das Ergebnis sind kleine und große Kostbarkeiten, die alle wunderhübsch sind und täglich von Neuem Auge und Herz des Betrachters erfreuen!

Koreanische Papierkunst heute

Verbreitet sind heute in Südkorea verschiedene Richtungen der Papierkunst. Ich habe antik aussehende Papierkunst (gosaek hanji gongye) und farbige Papierkunst (saekji gongye) gelernt. Außerdem kenne ich noch das Malen mit Korea-Papier (hanji geurim).

Antik aussehende Papierkunst (gosaek hanji gongye)

Bei dieser Art der Papierkunst werden die Formen mit schwarzem Korea-Papier beklebt und dabei werden oft Falten in das Papier gearbeitet. Nach dem Trocknen wird das schwarze Papier so gebleicht, dass Flächen mit helleren und dunkleren Brauntönen entstehen und die Falten hervorgehoben werden. Das ergibt ein holzähnliches, sehr organisch wirkendes Aussehen. Ein weiterer optischer Kontrast besteht zwischen dem Dunkelbraun der Außenseiten und dem Farbton des Papiers der Innenseiten und Leuchten. Die künstlerisch-technische Herausforderung bei dieser Art sind die Falten, die möglichst natürlich, aber dennoch nicht zufällig wirken sollen, und die weichen Übergänge der Braunfärbung.

Farbige Papierkunst (saekji gongye)

Diese Kunstrichtung arbeitet meist ohne Falten und ohne Bleichen, sondern nutzt die ganze Palette des zur Verfügung stehenden farbigen Korea-Papiers: einfarbig, gemustert oder schattiert. Bei dieser Art der Papierkunst kommt es vor allem darauf an, sehr fein und exakt zu arbeiten. Eine weitere Herausforderung für den Gestalter sind die Wahl der Kontrastfarben und die aufwändige Verzierung des Gegenstandes.

Malen mit Korea-Papier (hanji geurim)

Die Malerei mit Korea-Papier nutzt die Faserstruktur des Papiers um daraus Bilder entstehen zu lassen. Das Bild, das Sie in der rechten Bildleiste ganz unten sehen (Künstlerin: Lee Boomi), ist eine einfache und sehr schöne Variante. Hanji-MalerInnen können mit ihrer Kunst aber auch große Bilder entstehen lassen, die wirken, als wenn sie mit Pinsel und Farbe gemalt wurden. Mit Hanji-Malerei werden oft auch Werke der antik aussehenden und der farbigen Papierkunst verziert.